Bild: Franz Fazekas

Abstract – Panel 1

 

 

 

 

 

Univ.-Prof. Dr. Franz Fazekas

 

«Das kranke Gehirn:
  Gesellschaftliche Bedeutung der Gehirnforschung»

Untersuchungen zur Prävalenz von Gehirnerkrankungen gehen davon aus, dass in Europa jede(r) dritte EinwohnerIn an einer oder mehreren Gehirnerkrankungen leidet. Die Kosten für Gehirnerkrankungen betragen europaweit demnach 386 Milliarden Euro, durchschnittlich 829 Euro pro BewohnerIn und Jahr (Andlin-Sobocki P et al., Europ J Neurol 2005).

In Österreich betragen die geschätzten Ausgaben für Gehirnerkrankungen wie die Demenz 194 Millionen Euro, für Migräne 412 Millionen Euro, für Schlaganfall 395 Millionen Euro, für Epilepsie 316 Millionen Euro, für Multiple Sklerose 213 Millionen Euro, für die Parkinson-Erkrankung 153 Millionen Euro, und für Gehirntumore 81 Millionen Euro. Dies sind beträchtliche Summen, welche die indirekten Kosten durch Arbeitsausfall, Betreuungsbedarf, und vieles mehr nur teilweise berücksichtigen. Unberücksichtigt bleiben bei diesen Zahlen jedenfalls das große individuelle Leid und die Belastung für die Betroffenen sowie deren Angehörige. Eine weitere Zunahme von Gehirnerkrankungen ist durch die demographische Entwicklung der österreichischen Bevölkerung vorprogrammiert. Mit zunehmender Lebenserwartung steigt natürlich auch die Zahl insbesondere altersassoziierter Gehirnerkrankungen wie Schlaganfall, Demenz oder Mb. Parkinson. Intensive Forschungsbemühungen zur Entwicklung neuer Möglichkeiten der erfolgreichen Behandlung vor allem aber auch Vorbeugung von Gehirnerkrankungen sind daher eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen diese Entwicklung.

EU-Förderprogramme für Hirnforschung umfassen derzeit allerdings nur ein Fördervolumen von 0,01–0,13 % der jährlichen Kosten, die durch diese Erkrankungen schon verursacht werden.

In Österreich gibt es überhaupt keine substantiellen Fördermaßnahmen für akademische Forschung im klinischen Bereich. Vielmehr wird diese – weil kostenintensiv – gerne aus forschungspolitischen Überlegungen ausgespart und der Industrie überlassen. Dass diese wiederum Forschungsbemühungen nur sehr einseitig unterstützt, ist wenig verwunderlich. Es müsste daher unser aller Anliegen sein, jene Mittel einzufordern, die einen adäquaten Beitrag der Forschung zur Bewältigung der gesellschaftlichen Probleme durch Hirnerkrankungen gewährleisten. Aufgrund der Bedeutung von Gehirnerkrankungen für unsere Bevölkerung jetzt und in der Zukunft ist dies nicht nur forschungspolitisch sondern vor allem auch gesellschaftspolitisch von höchster Relevanz.