
Abstract – Panel 4
Univ.-Prof. Dr. Reinhold Schmidt
«Das alternde Gehirn»
Das 20. Jahrhundert war durch eine dramatische Zunahme der Lebenserwartung der Bevölkerung geprägt. Hatte ein Neugeborenes um 1900 eine Lebenserwartung von weniger als 50 Jahren, so lag die Lebenserwartung eines im Jahr 2000 geborenen Kindes bei 76 Jahren.
Die Alterstruktur unserer Bevölkerung verschob sich somit zu höheren Altersgruppen mit der Folge, dass sich typische altersassoziierte Erkrankungen häufen.
Das alternde Gehirn weist 2 endemische Läsionstypen auf, einerseits Alzheimerpathologie, andererseits Veränderungen, die durch Arteriolosklerose der Kleingefäße hervorgerufen werden. Letztlich führen beide Läsionstypen zu kognitiven Leistungseinbußen, wobei interaktive Effekte wahrscheinlich sind. Alzheimerpathologie entwickelt sich meist über Dekaden, etwa die Hälfte aller 50-jährigen zeigt Alzheimerpathologie in bestimmten Gehirnregionen. Diese Veränderungen sind eine der Ursachen für kognitive Abbauprozesse mit zunehmendem Alter.
Ähnlich verhält es sich mit altersassoziierten Hirnveränderungen, die durch Kleingefäßerkrankungen hervorgerufen sind. Die Grauzone zwischen normalem Altern und manifester Erkrankung ist also schleichend.
Nur ein Teil der Personen mit Alzheimerpathologie oder Arteriolosklerose im Gehirn wird auch tatsächlich dement. Bei gleichzeitigem Auftreten beider Pathologien erhöht sich das Demenzrisiko aber auf das 20-fache.
Bis 2050 werden allein in Österreich 233.000 Demenzkranke leben. Kamen im Jahr 2000 noch ca. 56 Erwerbstätige auf einen/eine Demenzkranke/n so werden dies 2050 nur noch 17 sein.
Neue Therapiekonzepte können diese Zahlen zwar vielleicht in moderatem Maße vermindern, die Gesellschaft ist aber akut gefordert dieser Herausforderung gerecht zu werden.
Die Diskussion im Panel 4 möge neben den rein biologischen Aspekten auch den sozioökonomischen Auswirkungen der Hirnalterung breiten Raum geben.

