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Vorwort

 

 

 

 

 

Univ.-Prof. Dr. Irmtraud Fischer

 

Dürfen wir alles, was wir können?

Diese Frage stellt sich gerade in den innovativen Forschungsgebieten wie etwa den «life-sciences» oder der Medizin immer drängender. Der ethisch verantwortete Umgang mit Forschungsergebnissen wird daher sowohl für die Universitätsleitungen und die Fördergeber als auch für die einzelnen Forscherinnen und Forscher ein immer brisanteres Problem und größeres Anliegen. Angesichts der rasanten Veränderungen in den Gebieten von Wissenschaft und Forschung und den damit verbundenen Möglichkeiten eines «anything goes» ist diese Reflexion unumgänglich. Sie erfordert aber auch Mut, Position zu beziehen und damit möglicherweise unbequeme Entscheidungen nicht an andere zu delegieren.

Der Verweis auf ethische Verantwortung beim Forschen hat leider oft den Beigeschmack des erhobenen Zeigefingers und des einschränkenden Verhinderns. Forschung gehört jedoch zu jenen herausragenden Kulturleistungen, die ohne Rückbezug auf gesellschaftliche Verhältnisse nicht auskommt. In welche Richtung geforscht wird, ist kein schicksalhafter Prozess, sondern hängt davon ab, welche Forschung von wem gefördert und finanziert wird.

Es ist daher erfreulich, dass sich im noch ganz neuen Europeum Vertreterinnen und Vertreter zweier unterschiedlicher Disziplinen zum Mariazeller Dialog 2009 einfinden, die nicht nur im Rahmen der Veranstaltung in einem starken Wechselspiel stehen. Die Gehirnforschung mit all ihren «technischen» Möglichkeiten aber auch ihren Erkenntnissen über die Funktionsweise des Gehirns berührt den Menschen in seinem ihm eigenen Wesen. Sie wirft Fragen auf, die das Individuum aber auch die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit betreffen und wandelt damit auf einem schmalen Grat. Wenn nicht nur neueste Forschungsergebnisse aus dem höchst komplexen Bereich der Gehirnforschung präsentiert, sondern auch deren ethische Implikationen beleuchtet werden, wird damit ein notwendiger Beitrag zum oben skizzierten Problemfeld geleistet. Ich wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine erfolgreiche Veranstaltung mit konstruktiven Gesprächen und lebendigen Diskussionen.

 

Irmtraud Fischer
Vizerektorin für Forschung und Weiterbildung
Karl-Franzens-Universität Graz